Ulrich Wickert

Impressum

Aktuelles
Seite drucken

Hall of Fame

Am 10. September nahm die German Speakers Associaton Ulrich Wickert in die Hall of Fame auf. Die Laudatio hielt der Verleger Lothar Menne, der im Hoffmann&Campe Verlag zahlreiche Bestseller von Ulrich Wickert veröffentlich hat. - Laudatio Lothar Menne: - Im Walhall der Redner und Vortragskünstler ist Ulrich Wickert ohne Zweifel eine exzeptionelle Erscheinung, wobei ich als Verlagsmensch vielfach und vielfältig eher von den geschriebenen Werken des begnadeten Rhetors profitiert habe, von seinen Büchern – das neueste ist gerade erschienen, sein vierter Kriminalroman: „Das achte Paradies“. In den 30 Jahren seiner schriftstellerischen Aktivität hat er 23 Bücher veröffentlicht. In dieser Zeit, zugegeben, hat er jedoch ein Vielfaches dieser Zahl an Vorträgen gehalten – vor Schülern, vor Managern, vor Studenten, Gewerkschaftern, Politikern und etlichen anderen Publikümmern; vor allem aber hat er über das Medium Fernsehen mit der Kraft seiner rhetorischen Talente und seiner Ausstrahlung ein Millionenpublikum gefesselt. Beileibe will ich keinen künstlichen Gegensatz zwischen gesprochenem und gedrucktem Wort an den Haaren herbeiziehen. Ulrich Wickerts Medium ist die Sprache, Punkt. Ihr dient er, sie beherrscht er. „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“, schrieb einst Ingeborg Bachmann. Tucholsky verstand die Sprache selbst als Waffe und mahnte: „Haltet sie scharf!“ Etwas friedlicher sah Goethe die Sprache, nämlich als „Scheide, darin das Messer des Geistes steckt.“ Wieder andere Autoren sahen in der Sprache weniger martialische als textile Qualitäten. Für Seneca war die Rede „die Kleidung der Seele.“ Karl Kraus, der böse Wiener, erkannte in der Sprache gar „die Mutter, nicht die Magd des Gedankens“ und Hegel den „Leib des Denkens“. Für Ulrich Wickert war die Sprache zunächst einmal allgegenwärtig, Heimat, Biotop, nicht minder selbstverständlich und naturgegeben als der Berg Fuji in Japan, an dessen Fuß er seine frühe Kindheit verbracht hat. Sein Vater, Erwin Wickert, war ein ewiger Wanderer zwischen Diplomatie und Schriftstellerei, zwischen Beruf und literarischer Berufung. „Lesen und Schreiben gehörten zu unserem Leben wie bei anderen Leuten Essen und Trinken, das war für uns fast ein Automatismus. Wenn ich mittags nach Hause kam, saß der Vater im Sessel und schrieb auf einer schicken Olivetti.“ So hielt es den jungen Ulrich Wickert auch nicht lange bei der familiär programmierten Profession im Diplomatischen Dienst. Nach dem juristischen Staatsexamen wurde der Ruf des Wirkens durch Sprache unüberhörbar, er wurde Journalist, Autor, Redakteur des Fernsehmagazins Monitor. In dieser Konstellation sind wir uns dann auch zu Beginn der 70er Jahre begegnet. Ich war in der Frankfurter Studentenbewegung aktiv und betreute in jenem Sommer meinen Übervater Herbert Marcuse. Da meldete sich ein WDR-Reporter, der einen Film über unseren Meisterdenker drehen wollte. Ich erwartete einen perfiden Repräsentanten der bürgerlichen Medien, die uns stets nur verunglimpfen oder vereinnahmen wollten. Nur kam dann einer, der so aussah wie die meisten von uns, nur viel besser - der beherrschte unsere Terminologie, der hatte beim Studium in den USA die dortige Linke erlebt. Beim Abendessen wurde er ruppig auf Herz, Nieren und Gesinnung abgeklopft, aber seiner charmanten Überzeugungskraft konnte nicht einmal Marcuse widerstehen. Kurz: Ulrich Wickerts Reportage „Der Traum von einer besseren Welt“ ist sicher das sensibelste und schönste Filmdokument über den großen Theoretiker der menschlichen Emanzipation. Keine Ahnung, ob man als Kosmopolit geboren werden kann. Auf den Weltbürger Ulrich Wickert trifft das womöglich zu, seine Karriere belegt es: Bevor er als „Mister Tagesthemen“ eine Ikone des Fernsehjournalismus wurde, war er ARD-Korrespondent in Washington, Studioleiter in New York und dann zehn Jahre lang in Paris. Wie der berühmte Fisch im Wasser tauchte er ein in französische Kultur und Politik, in Philosophie und savoir vivre; zu seinem Dunstkreis gehörte Francois Mitterrand ebenso wie Eugène Ionesco; Künstler und Minister akzeptierten ihn als einen der Ihren. Unser aller Glück war, dass er uns an seinem Beziehungsgeflecht teilhaben ließ. Zu meinem persönlichen Glück tat er das nicht nur in seinen einprägsamen Fernsehberichten, sondern parallel in einer Reihe von Büchern, die ich bei Hoffmann und Campe verlegen durfte: „Frankreich: Die wunderbare Illusion“, „Und Gott schuf Paris“, „Vom Glück, Franzose zu sein“ – sie alle brachten deutschen Lesern „unglaubliche Geschichten aus einem unbekannten Land“ nahe. Französische Denker haben ihn vielleicht auch zu seinen spektakulärsten Bestsellern inspiriert, zu seinen Beiträgen zur Wertedebatte. Der Philosoph Blaise Pascal hatte schon im 17. Jahrhundert festgehalten: „Moral und Redekunst sind besondere, aber allumfassende Wissenschaften.“ Mit Wortmacht und Redekunst verbreitet Uli Wickert seinen Imperativ vom Primat ethischen Handelns. In seinen Büchern „Der Ehrliche ist der Dumme“ und später in „Gauner muss man Gauner nennen“, die weit über eine Million Mal gekauft wurden, ebenso wie in ungezählten Vorträgen, Seminaren und Diskussionen verbreitet er seine Botschaft: Wir müssen den Werten wieder einen Wert geben; Anstand, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Solidarität sind Grundpfeiler des Zusammenlebens. Wer als Redner und Autor die Botschaft von der Notwendigkeit verbindlicher Werte verbreiten will, muss auch eine angemessene stilistische Form finden. Uli Wickerts Devise heißt: Klartext. „Klartext reden aber bedeutet: ein Problem beim Namen nennen. Selbst wenn es wehtut. Sonst können die Probleme nicht in ihrer wirklichen Tragweite wahrgenommen und erst recht nicht gelöst werden. Klartext reden genügt aber nicht. Wer sich über einen Zustand beklagt, wer klare Rede und klares Denken einfordert, der muss auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.“


zurück
Sie müssen den Flash Player installieren um das Video sehen zu können.

Klassik, Pop, etcetera im DLF

Engagement
Engagement
Engagement
Engagement
Wie betrachtet man die Mona Lisa, wenn man nicht als Kunstbanause gelten will?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Sind ältere Männer bessere Liebhaber?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Können Sie sich vorstellen, noch einmal SPD-Mitglied zu werden?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Wie guckt Ronaldinho?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Können Sie eigentlich Golf spielen?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Wie schaut der Franzose, denkt er an die Deutschen?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin
Ihr todsicheres Frauenaufreißer-Gesicht?
Quelle / © : Süddeutsche Zeitung Magazin